Als Judith mit dem Haupt des Holofernes, 2025

Holz, Digitalanimation, 10 cm x 10 cm x 28 cm

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Judith stand auf den Zinnen eines der Türme, die die Mauer um ihre Stadt unterbrachen. Unter ihr vor den Toren, breitete sich das bunte Lager des feindlichen Heeres aus, in dessen Mitte sie das Zelt der Anführers ihrer Feinde, Holofernes, ausmachen konnte. Heute Abend würde sie dort hingehen und sich Holofernes hingeben. Sie würde ihn glauben machen, dass ihr Volk sich ergäbe, sich den Feinden unterwürfe, genauso wie sie sich ihm, ihrem größten Widersacher, unterwerfen würde. Sie lächelte leise.

Es war tiefschwarze Nacht. Vor ihr auf dem zerwühlten Lager schnarchte feist und trunken von der eigenen Stärke, Holofernes, der mächtige Feldherr. Judith packte beherzt das Schwert, dass an dem Sessel aus dunkel poliertem Holz mit vergoldetem Dekor lehnte, trat ans Lager und trennte mit einem kräftigen Hieb den Kopf des Schlafenden von seinem Rupf. Blut pulsierte aus den Halsadern. Schnell wickelte die junge Frau das abgeschlagene Haupt in Tücher und huschte vorbei an den von Wein berauschten Wachen, die bereits den in unmittelbare Nähe gerückten Sieg begossen hatten, aus dem Heereslager.

Der neue Tag brach an und die aufgehende Sonne tauchte die Stadt in blutrotes Licht. Auf den Wehrgang über dem Stadttor stand Judith, das Haupt des Holofernes in ihrer erhobenen Hand. Voller Unglauben deuteten die feindlichen Soldaten auf den bluttriefenden Kopf ihres Anführers, der mit leeren Augen hoch über ihnen schwebte. Entsetzte Schreie wurden laut und dann brach wie ein Wirbelsturm hektisches Chaos in dem feindlichen Lager aus. Wer konnte raffte noch sein wichtigstes Gut zusammen und floh rennend aus der Zeltburg in die rettende Weite der der Wüste.

Wem würde eine heutige Judith wohl den Kopf abschlagen?

Über Judith: https://de.wikipedia.org/wiki/Buch_Judit